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Pressemitteilung

10. November 2022

Kostenkollaps in der Pflege verhindern - Pflegehaushalte dauerhaft entlasten!

Auf das 3. Entlastungspaket der Bundesregierung reagiert auch die Berliner Interessenvertretung pflegender Angehöriger wir pflegen.Berlin e.V. und erklärt:

„Wir begrüßen, dass mit der Energiepauschale für Rentner*innen und Studierende eine Gerechtigkeitslücke geschlossen wird. Denn nahezu die Hälfte der häuslich Pflegenden  sind im Rentenalter. Angesichts der explodierenden Nebenkosten reichen diese Maßnahmen jedoch für Pflegehaushalte – für Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen – nicht aus, “ erklärt die Vorsitzende des Berliner Vereins, Frau Gabriele Tammen-Parr.

Steigende Lebensmittel-, Energie- und Benzinpreise belasten Pflegeheime, ambulante Pflegedienste und Pflegehaushalte schon länger mehrfach. Pflegebedürftige Menschen brauchen bei hohen Temperaturen Kühlung und bei niedrigen Temperaturen ausreichend Wärme. Beides schlägt sich im Energieverbrauch nieder. Auch elektrische Hilfsmittel verursachen einen höheren Stromverbrauch.   Hohe Strom- und Gasrechnungen bergen neben Finanzierungsproblemen auch die Gefahr der Abschaltung bei Zahlungsverzug. Vertrags- und Wohnungskündigungen müssen jetzt dauerhaft verhindert werden.

wir pflegen Berlin e.V. unterstützt vehement die Tarifbindung für die Bezahlung der Pflege(fach)kräfte seit dem 1. September. Höchst problematisch sind allerdings die so sprunghaft weiter steigenden Zuzahlungen für die Bewohner*innen in den stationären Pflegeeinrichtungen. Familien holen ihre pflegebedürftigen Angehörigen wieder aus den Heimen heraus. Auch häuslich versorgte Pflegebedürftige können durch steigende Preise  immer weniger Versorgungsleistungen einkaufen. Schon jetzt meiden ambulante Dienste „unlukrative Touren“. Sonja Kemnitz, Beisitzerin im Vorstand von wir pflegen Berlin e.V. befürchtet: „Weitere Versorgungsengpässe sind zu erwarten. Wir brauchen dauerhafte und umfassende Entlastungen. Sonst droht noch mehr Menschen mit Pflegebedarf und ihren Angehörigen Überlastung, Unterversorgung und Pflegearmut!“

wir pflegen Berlin e.V.  fordert deshalb konzertierte politische Maßnahmen auf allen Ebenen. Pflegehaushalte sollen  dauerhaft von hohen Energiekosten entlastet werden. Hier ist neben dem Bund auch das Land finanziell gefordert. Ergänzend müssen Pflegehaushalte bei Zahlungsrückständen von Miete, Gas und Strom durch ein Kündigungsverbot geschützt werden.  Kosten für elektrisch betriebene Hilfsmittel (§ 33, Abs. 1, Satz 1 SGB V) müssen vollumfänglich und unbürokratisch erstattet werden. Ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen, Kurzzeitpflege und Tagespflege sind unverzichtbare Entlastungsangebote. Sie sollten deshalb wie energieintensive Unternehmen durch eine energetische  Sachkostenförderung vor Insolvenzrisiken geschützt werden.

Eine sofortige Deckelung der Eigenanteile in den Pflegeeinrichtungen, ein höheres Pflegegeld, mehr Plätze in der Kurzzeit- und Tagespflege sowie ein flexibles unbürokratisches Entlastungsbudget für pflegende Angehörige sind als prioritäre Maßnahmen überfällig. Immer dringlicher wird eine umfassende Pflegereform. Dafür muss sich das Land Berlin im Bund noch stärker einsetzen.

Berlin, 10.11.2022

Über den Verein

Der gemeinnützige Verein wir pflegen Berlin e.V. ist einer von fünf Landesverbänden des Bundesverbandes wir pflegen e.V. Der Landesverein engagiert sich seit 2019 für die Belange der mehr als eine Viertel Million pflegenden Angehörigen in Berlin.

Die Vision des Landesvereins ist eine sorgende Gesellschaft, in der pflegende Angehörige anerkannt, sozial abgesichert und unterstützt werden, um selbstbestimmt mit ihren zu pflegenden Angehörigen leben und sozial teilhaben zu können.

Wir sind Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation zugleich. Bei uns sprechen die, die generations -unabhängig eine nahestehende Person unentgeltlich pflegen oder gepflegt haben. Zu unseren Mitgliedern zählen auch Menschen, die sich beruflich oder wissenschaftlich in der Pflege engagier(t)en.   

Wir setzen uns dafür ein, dass die Belange pflegender Angehöriger in allen pflegepolitisch relevanten Gremien und Ausschüssen gleichberechtigt vertreten werden und streben hierfür aktuell einen Sitz mit Stimmrecht im Landespflegeausschuss Berlin

  • Turmstraße 4
    10559 Berlin

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